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Horst Köhler
Sehr geehrter Herr Staatspräsident,
lieber Herr Präsident Koschnick,
meine Damen und Herren,
ich
freue mich sehr, heute hier dabei zu sein bei dieser Feier zum
25-jährigen Bestehen des Instituts. Ich freue mich besonders, dass
Staatspräsident Kwa¶niewski hier ist, der heute ja schon zum zweiten
Mal im Institut ist und mit dem Institut schon seit vielen Jahren
zusammengearbeitet hat. Und dass wir heute beide hier dabei sind, soll
zeigen und zeigt, dass wir dem Institut, seiner Arbeit und damit den
Beziehungen zwischen Deutschland und Polen unsere ganze Aufmerksamkeit
widmen. Als ich hierher fuhr und manches, was ich bisher nicht wusste,
über das Institut nachgelesen habe, habe ich festgestellt, dass wir mit
dem Institut auf einem guten Weg sind, und ich glaube auch, dass nach
den Ergebnissen des letzten Europäischen Rates gerade die Arbeit dieses
Instituts und anderer, wie auch die unserer persönlichen Koordinatoren,
wichtig ist und dass wir voller Hoffnung und voller Zuversicht diese
Arbeit fortsetzen werden.
In schwieriger Zeit, in den 70er Jahren, als Polen vom freien
Deutschland aus gesehen noch ein fernes Land war, getrennt durch Mauer,
Stacheldraht, kalten Krieg und tief sitzende Vorurteile, haben
weitsichtige Politiker und Bürger erkannt, dass wir uns mit der
Geschichte auseinandersetzen müssen und dass wir darauf aufbauend
unsere Politik definieren müssen. Die ideologische Konfrontation durfte
nicht den Blick auf den anderen – und wenn Sie so wollen, auf uns
selber – verstellen oder auch verzerren.
Als Teil einer Politik, die auf Annäherung, Zusammenarbeit, auch
Aussöhnung angelegt war, wurde ein deutsch-polnisches Forum
eingerichtet. 1977 traf sich dieses Forum zum ersten Mal, und ein
schwieriger Dialog begann. Empfehlungen wurden erarbeitet, und
glücklicherweise wurde auch eine dieser Empfehlungen umgesetzt, nämlich
die Gründung des Deutschen Polen-Instituts.
Vor 25 Jahren, im Jahr 1980, wurde das Institut dann
Wirklichkeit. Es war von Beginn an etwas Besonderes, und
besonders waren auch die Personen, die sich gleich von Anfang an
engagierten: Ich nenne aus ihrem Kreis zum Beispiel Marion Gräfin
Dönhoff, die erste Präsidentin, die wir alle so lebhaft in Erinnerung
haben, und den heutigen Präsidenten Hans Koschnick, der als Bremer
Bürgermeister die erste und bis heute wohl kraftvollste
deutsch-polnische Städtepartnerschaft mit Danzig auf die Beine gestellt
hat.
Lieber Herr Koschnick, als ich bei meinem ersten Besuch als
Bundespräsident Danzig besuchte, ist mir mehr als einmal gesagt worden
von Bürgern, von deutschen und polnischen Bürgern, dass gerade Sie dort
gute, schöne und auch zukunftsweisende Spuren hinterlassen haben durch
diese Bereitschaft, mit der Stadt diese Partnerschaft einzugehen.
Meine Damen und Herren, tatsächlich brauchen wir auch etwas Besonderes
für und mit unserem Nachbarn Polen. Denn gerade mit Polen haben wir so
viel aufzuarbeiten, uns bewusst zu machen, und wenn Sie so wollen, auch
so vieles offen zu legen, auch weiterhin. Das Deutsche Polen-Institut
hat an diesem Prozess, der auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
ist, entscheidenden Anteil. Diese Aufgabe braucht, wie wir immer wieder
spüren, unvermindert große Aufmerksamkeit, und sie ist ein Prozess, der
weiter gehen muss. Deshalb sind wir auch hier und feiern das Jubiläum
in diesem schönen Rahmen.
Der Trägerverein des Instituts erhielt die Aufgabe, ich zitiere aus dem
Statut, „zur Schaffung der geistigen Grundlagen der deutsch-polnischen
Verständigung beizutragen“. Die damalige politische Lage legte es nahe,
sich auf das geistig-kulturelle Gebiet zu konzentrieren und den
Deutschen zunächst den kulturellen Reichtum in ihrer Nachbarschaft nahe
zu bringen. Und da ist viel geschehen. Professor Karl Dedecius ist
heute unter uns, und darüber bin ich auch sehr froh, der erste Direktor
des Instituts, der unübertreffliche Mittler zwischen der polnischen und
deutschen Sprache und Kultur. Er hat insbesondere mit der „Polnischen
Bibliothek“ dem interessierten deutschen Leser eine weithin unbekannte
Welt erschlossen. Und in der Tat, wir sind Ihnen, Herr Professor
Dedecius, unglaublich dankbar dafür, denn ich glaube, was gelegt wurde,
das braucht noch Zeit, um sich weiter zu entwickeln und in unser Leben
Eingang zu finden. Aber Sie haben dafür die Grundlagen gelegt.
25 Jahre nach der Gründung des Instituts ist das deutsch-polnische
Verhältnis aus meiner Sicht in wunderbarer Weise anders als vor 30
Jahren und mehr. Wie die Deutschen und die Polen heute zueinander
stehen, das konnten wir zum Beispiel sehen, als ein Papst uns verließ
und ein neuer kam. Die deutsche Trauer über den Tod des polnischen
Papstes und das Mitgefühl für die Nachbarn waren tief empfunden und
ehrlich. Und ebenso tief war die polnische Freude über den Nachfolger,
den deutschen Papst. Der polnische Staatspräsident hat mich unmittelbar
nach der Wahl des deutschen Papstes Benedikt XVI. angerufen und mich
beglückwünscht. Das habe ich erst gar nicht so erwartet, aber ich
fand’s dann wirklich schön, und ich habe mich umso mehr über diese Wahl
gefreut.
Das und mehr gibt mir mehr Hoffnung, als manche Umfragen uns das sagen
mögen, wobei die letzten Umfragen sich ja eindeutig verbessert haben,
wenn ich das richtig sehe. Aber gerade in letzter Zeit sind doch auch
Fragen sichtbar geworden, derer wir uns besonders annehmen müssen.
Dabei habe ich keinen Zweifel: Ungeachtet aller politischen
Entwicklungen hier wie dort wird das Bemühen beider Seiten um ein gutes
Verhältnis weitergehen. Uns verbindet natürlich die Geschichte. Wir
haben weiterhin überragende gemeinsame Interessen, und vor allem ist
unsere gemeinsame Zukunft weiterhin Europa. Dieses europäische Projekt
ist ein gutes Projekt, und es wird weitergehen, und es liegt vor allem
auch im deutschen und polnischen Interesse.
Das DPI war von Anfang an kein Elfenbeinturm, kein künstlerischer und
kein wissenschaftlicher. Es war ein weit strahlender Leuchtturm. Und
nachdem die politische Lage nach der Wende erlaubte, alle Fragen im
Dialog anzusprechen, hat das Institut das auch getan. Unter der
neuen Leitung von Professor Dieter Bingen wurden diese Chancen entschlossen
ergriffen, und viele Fragen und Aufgaben harren noch der Bearbeitung.
Neue Felder der Forschung und der Unterrichtung öffneten sich, stärker
auf politische Aktualität gerichtet. Der Bedarf nach Austausch und
Begegnung ist nach dem Wegfall der Mauern erfreulicherweise groß. Das
DPI bietet hierfür wirklich einen inspirierenden Rahmen.
Intensivere Dialogformen wurden erprobt. Am interessantesten ist wohl
die Kopernikus-Gruppe, zusammengesetzt aus Wissenschaftlern und
Publizisten, die sich in beiden Sprach- und Kulturräumen auskennen. Die
Gruppe wirkte als gemeinsamer deutsch-polnischer Anstoßgeber und
Richtungsweiser. Sie griff Themen ohne Berührungsängste auf. So konnte
man sich in der Kopernikus-Gruppe zu den verlagerten Kulturgütern
äußern; das Institut organisierte eine internationale Konferenz zum
Umgang mit Vertreibungen, ein in seiner übernationalen Ausrichtung
erster Versuch.
Das DPI nennt sich selbst ein „Forschungs-, Analyse-, Informations- und
Veranstaltungszentrum für polnische Kultur, Geschichte, Politik,
Gesellschaft und die deutsch-polnischen Beziehungen im europäischen
Kontext“. Das ist ein wahrlich umfassender Auftrag, den Sie sich
gegeben haben und den Sie erfüllen wollen.
Wer heute, meine Damen und Herren, etwas Substanzielles über Polen
wissen will in Deutschland als Journalist, als Politiker, als
Berater der Politik – der landet eben normalerweise im DPI. Aktuelle
Analyse, landeskundliche Auskunft, historische Darstellung: Mitarbeiter
des Instituts und die einzigartige Bibliothek können alles liefern und
anbieten. Mit einer Reihe „Denken und Wissen“ wird eine Brücke zu dem
intellektuellen Leben Polens geschlagen, das zuvor für uns terra
incognita war, zumindest für zu Viele von uns.
Seinen festen Platz hat das Institut natürlich in der Wissenschaft. Es
hat einen Kreis jüngerer Politikwissenschaftler und Historiker um sich
gebildet, die in engstem Austausch stehen. Die Wirkung eines solchen
Netzwerks kann man gar nicht überschätzen – zumal das Institut ja auch
Arbeitsmöglichkeiten und Möglichkeiten der Kommunikation
wissenschaftlicher Ergebnisse anbietet – bis hin zur Publikation und zu
Publikationshilfen.
Besonders wichtig sind die Hilfen, die das Institut für den
Schulunterricht anbietet. Es bietet den Lehrern Handreichungen für die
Vermittlung von Kenntnis über polnische Literatur und Geschichte und
arbeitet daran mit, die hier bestehenden Defizite zu beheben. Und da
gibt es Defizite. Zum Beispiel, und das war für mich überraschend,
wurde vom Institut der Startschuss gegeben für die Entwicklung des
ersten Lehrwerks Polnisch für den deutschen Schulunterricht. Ich kann
es kaum glauben, dass es wirklich das Erste ist. Aber umso wichtiger,
dass es deshalb das Deutsche Polen-Institut gibt, um eine solche
eigentlich unglaubliche Lücke zu füllen!
Nach 25 Jahren ist das DPI im deutsch-polnischen Beziehungsgeflecht
nicht mehr wegzudenken. Das sehen auch unsere polnischen Nachbarn so,
und der beste Beweis ist, dass mein polnischer Kollege, Staatspräsident
Kwa¶niewski, heute mit uns feiert. Darin drückt sich eine hohe
Wertschätzung aus, die mich wirklich freut. Deshalb ist dieses Jubiläum
auch einer der Höhepunkte im Deutsch-Polnischen Jahr, das wir vor
einigen Monaten eröffnet haben in Berlin und das viele, viele
Veranstaltungen, Diskussionen und vor allem Begegnungen zwischen
Menschen ermöglichen wird.
Zwei Bundesländer aus dem früher tiefen Westen Deutschlands, Hessen und
Rheinland-Pfalz, unterstützen dieses Institut, und dafür sind wir alle
dankbar. Die Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten, Roland
Koch, und des rheinland-pfälzischen Staatsministers für Wissenschaft
und Kultur, Jürgen Zöllner, zeigt, wie wichtig ihnen diese Investition
hier mit und um das Institut ist.
Entscheidende Beiträge haben auch immer private Sponsoren geleistet.
Und auch dafür möchte ich heute ausdrücklich danken, denn wir sind auf
solche Unterstützung angewiesen.
Ich wünsche dem DPI, dass es in Zukunft so erfolgreich weiterarbeiten
wird wie bisher. Das DPI leistet einen unersetzlichen Beitrag
dazu, dass wir Nachbarn uns näher kommen. Ich möchte dem Institut
herzlich zum 25. Jahrestag gratulieren und ihm alles Gute für die
Zukunft wünschen. Sie können davon ausgehen, dass der Bundespräsident
die Arbeit des Instituts unterstützen wird und das eine oder andere Mal
sicherlich auch auf die Arbeit des Instituts zurückgreifen wird. Vielen
Dank!
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