Deutsches Polen-Institut
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Walter Koschmal

Der eine und der andere Chopin?

Chopin hat das Potenzial zu einem der aus der polnischen Geschichte vertrauten Märtyrer, national wie persönlich. So wird er direkt zu einer polnischen Identifikationfigur. Auch viele andere Stereotypen behindern den Blick auf ihn: Wunderkind, Genie, der polnische Seelenkünstler. Es gibt aber den anderen Chopin, den der Brüche und Widersprüche, der sich »das unentschlossenste Geschöpf der Welt« nennt. Der witzige, (selbst-)ironische Chopin der verbalen Texte eignet sich als Gegenkonzept zu den Stereotypen. Im witzigen Sprachkünstler verbindet sich Sprache (Laute) und Musik. Chopin formuliert dies auch so: „Wir bedienen uns der Laute, um Musik zu schaffen, so wie wir uns der Wörter bedienen, um Sprache zu schaffen.“ Eigen- und Fremdbild Chopins geraten in einen Widerspruch, auch in den von Wort und Musik.


Prof. Dr. Walter Koschmal (geb. 1952) ist Inhaber des Lehrstuhls für Slavische Philologie an der Universität Regensburg

 
 
   
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