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Heinrich Olschowsky
Brecht, der Stalin-Hitler-Pakt und Polen. Überlegungen zum Kinderkreuzzug 1939
Was der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 23. 8. 1939, dieser "Teufelspakt" (S. Haffner), bedeutete und wie weitreichend seine Folgen für Europa waren, hat ungleichen Eingang in das historische Gedächtnis im Osten und im Westen, in Deutschland und Polen gefunden. Der 17. September 1939 z.B. ist für die meisten Deutschen ein historisch stummes Datum. Angesichts dessen besitzt das Zeugnis des antifaschistischen Emigranten Brecht besonderes Gewicht. Beunruhigt und betroffen beobachtete er vom schwedischen Exil aus die Umstände des Kriegsbeginns. Er reflektierte dies auf zweierlei Weise: Im politischen Diskurs seines "Arbeitsjournals 1938-1955" suchte er die sowjetischen Maßnahmen zu erklären und zu rechtfertigen, dabei geriet sein ideologisches Projekt eines marxistischen Intellektuellen in die Krise. Die nackten Tatsachen straften die Vorstellung von der Friedensmacht Sowjetunion Lügen. Ein Konflikt bahnte sich an, den der Flüchtling vor den Nazis nicht öffentlich austragen wollte. Die Hoffnung wurde in die poetische Utopie verlagert, in die aufschlußreiche Ballade "Kinderkreuzzug 1939", die im Winter 1940/41 entstand. Die Vorlesung verfolgt die Frage, welche politschen Botschaften der Ballade lassen sich dadurch entschlüsseln, dass man sie zeitgeschichtlich verortet und die einschlägigen Erörterungen des "Arbeitsjournals" an den poetischen Text anlegt?
Prof. Dr. Heinrich Olschowsky (geb. 1939) war Inhaber des Lehrstuhls für Polonistik der Humboldt-Universität zu Berlin
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