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Tagungsbericht
Die Destruktion des Dialogs.
Internationale Tagung in Darmstadt zu Feind- und Fremdbildern
Der Dialog zwischen benachbarten Ländern wird immer wieder gestört.
Politische Akteure versuchen historisch gewachsene Vorurteile oder
aktuelle Probleme zu Feindbildern umzumünzen, um damit in der
Innenpolitik Erfolge einzustreichen. Auf einer Tagung in Darmstadt vom
25.-27. November 2005 untersuchte das DPI gemeinsam mit dem polnischen
Institut für Nationales Gedenken, Abteilung Stettin, vergleichend, wer
zu welchem Zeitpunkt Feindbilder instrumentalisiert, welche Folgen dies
hat und ob sich der innenpolitische Gebrauch von Feind- und
Fremdbildern überhaupt lohnt.
Die dreitägige, von der VolkswagenStiftung und dem Land Rheinland-Pfalz
geförderte Tagung bot ein dichtes Programm. Vorträge von Historikern,
Politologen, Soziologen, Philosophen und Psychologen wechselten
einander ab und rundeten sich zu einer Überschau über den politischen
Gebrauch von Fremd- und Feindbildern im 20. Jahrhundert bis in die
Gegenwart ab. Angereist waren Wissenschaftler aus Tschechien, Polen,
Deutschland, Österreich und Israel; die Gäste aus den Niederlanden
konnten aufgrund des Schneechaos in ihrer Heimat nicht kommen, ihre
Referate wurden jedoch verlesen.
Zu den Themen der Vorträge zählten beispielsweise das Verhältnis Roman
Dmowskis zu den Deutschen (Szymon Rudnicki), die Übertragung
tschechisch-jüdischer Freund- und Feindbilder auf den
israelisch-arabischen Konflikt (Martin J. Wein), die antideutschen
Instrumentalisierungen im kommunistischen Polen (Piotr Madajczyk), die
Schirmherrschaft des Freistaats Bayern über die Sudetendeutschen (K.
Erik Franzen), Fremd- und Feindbilder in der politischen
Instrumentalisierung in Tschechien (Miroslav KunŠtát), Fremd- und
Feindbilder in den polnischen Wahlkämpfen (Agnieszka Stêpiñska) oder
das Deutschlandbild im polnischen Europadiskurs (Stefan Garsztecki).
Die Diskussionen drehten sich immer wieder um das deutsch-polnische
Verhältnis und insbesondere um dessen Instrumentalisierungen in den
polnischen Wahlkämpfen des Jahres 2005. Zwar stellte sich im Laufe der
Tagung heraus, dass die Existenz von Feind- und Fremdbildern etwas ganz
Natürliches ist und dass sich ihre Aktivierung zu Zwecken der
politischen Gewinnschöpfung für die Akteure kurzfristig lohnt, zugleich
aber ergab sich durch Umfragedaten eine zunehmende Differenz zwischen
ihrer nach wie vor beliebten Instrumentalisierung und ihrer immer
schwächer werdenden Verankerung in den Gesellschaften Deutschlands,
Polens und Tschechiens; in den Niederlanden sind antideutsche
Feindbilder in der Politik ohnehin spätestens seit den 1980ern
weitgehend überwunden.
Wie Feind- und Fremdbildern erfolgreich begegnen? Der Psychologe Josef
Berghold warb dafür, Traumata und Tabus der Gesellschaften offen zu
artikulieren, um ihnen dadurch entgegenzuwirken. Anna Wolff-Powêska
sprach sich für eine Stärkung der Demokratie und des autonomen Denkens
aus und Dieter Bingen forderte eine verstärkte zivilgesellschaftliche
Vernetzung. Die Beiträge und Diskussionen der Konferenz sollen in einem
Tagungsband dokumentiert werden.
Peter Oliver Loew
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