"Zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte gehört die bewusste Zerstörung von symbolisch aufgeladenen Bauwerken und städtischen Topographien, um an ihrer Stelle neue identitätsstiftende Gebäudestrukturen zu setzen. (...) Die Initiatoren einer vom Deutschen Historischen Museum sowie vom Deutschen Polen-Institut ausgerichteten Tagung ließen sich von der Militärsprache inspirieren und schlagen den Terminus der 'Schleifung' vor, um die Sache, d. h. den zerstörerischen Umgang mit historisch-politischen Baudenkmälern im 20. Jahrhundert zu treffen.
In vierzehn thesenfreudigen Essays von Historikern, Museologen, Denkmalpflegern und Kunsthistorikern werden weniger abgeschlossene Forschungsergebnisse präsentiert (...). Originell ist hingegen der Rahmen, der beherzte Ansatz, diese Problematik aus einer vergleichenden deutsch-polnischen Perspektive zu betrachten."
Stefan Laube in: Süddeutsche Zeitung vom 23. Dezember 2005
"Wie bei einem Workshop zu erwarten, bündelt der Band mehr Perspektiven als Ergebnisse. Der deutsch-polnische Vergleich zeigt aber, dass in Polen und in beiden Deutschland abseits von ideologischen Gründen die Unterschiede im Umgang mit der historischen Bausubstanz gar nicht so groß gewesen sind. Modernisierung von Stadtgrundriss und Gebäuden hat hier wie dort auch einen Verlust an Lebensqualität bedeutet, das denkmalpflegerisch Falsche konnte durchaus die Lebensqualität verbessern."
Wolfgang Kessler in: Abdos-Mitteilungen 25 (2005), Nr. 2
"Die Schleifung zielt (...) in einem übertragenen Sinne auf die politisch-ideologischen Bollwerke eines als überholt verstandenen Gesellschaftssystems, eines ideologischen Gegners oder einer als feindlich definierten Nationalkultur. In diesem Sinne können alle Bauwerke der Schleifung zum Opfer fallen, die einen politischen oder kulturellen Symbolcharakter besitzen. (...) Die Entscheidung, wie mit Ruine und Platz eines geschleiften Bauwerks umzugehen sei, besitzt einen nicht minderen symbolpolitischen Stellenwer. Die Rekonstruktion des historischen Bauwerks als 'Antischleifung' (...) wird deshalb zu einer Option der Stadtplaner und Denkmalpfleger. (...)
Die Diskussion darüber, was als 'erlaubte Rekonstruktion' (von Winterfeld) zu betrachten ist und was nicht, wurde von den Tagungsteilnehmern ein ganzes Stück weitergeführt".
Andreas R. Hofmann in: HSozUKult vom 6. Juli 2006
(zur vollständigen Rezension)
"Der Sammelband enthält insgesamt 14 Beiträge nebst einer Reihe von Diskussionsprotokollen, die publizistischer Ertrag eines Workshops sind (...). Vornehmlich Kunsthistoriker sowie Denkmalpfleger widmeten sich (...) einem Dauerthema von hoher Brisanz und Komplexität."
Michael Lissok in: Baltische Studien 92 (2006) [Druck: 2007], S. 229-231.
"Les études de cas ici réunies ont en commun de laisser de côté les nombreuses destructions 'collatérales', comme dirait notre cynique vocabulaire d'aujourd'hui, survenues dans le feu de l'action guerrière, pour mieux questionner la fonction symbolique du 'rasage' d'un bâtiment et de sa reconstruction éventuelle (...). Même si, bien entendu, la limite entre les deux types de destruction est ténue, l'accent est mis sur le geste d'abaissement symbolique assumé, sur la négation programmatique de l'altérité nationale, ou encore sur la volonté idéologique d'effacer les témoins architecturaux d'un système social honni, à l'image des résidences royales et aristocratiques dans une perspective de lutte des classes."
Thomas Serrier. In: Bulletin d'information de la Mission Historique Francaise en Allemagne 43 (2007), S. 377-379.